Martin mittelbar

Die Wachau ist eine konservative österreichische Weinregion - die konservativste Weinregion des Landes überhaupt. Die Winzer der Wachau werden weit über Österreich hinaus mehr wahrgenommen als Winzer anderer Regionen der Alpenrepublik. Das liegt einerseits an der pittoresk schönen Flusslandschaft, die konservative Weintrinker an den Rheingau, die Mosel oder an die Rhone und die Loire erinnert, andererseits an der Verlässlichkeit der Weine, an der Wiedererkennbarkeit von Federspiel- und Smaragdweinen – beide relativ neue Konstrukte, die gelungenerweise so wirken, als wären sie schon ewig da.

Aus der Wachau, so denken viele, kommen keine oder kaum überraschende Weine. Das wird auch als Wohltat empfunden, da die Moderne des Weinbaus von vielen Weintrinkern nicht als Bereicherung sondern als belästigende Vielfalt aufgenommen wird. Deswegen trinken viele wertkonservative Weintrinker gerne Weine aus der Wachau. Und sie haben recht damit.

Seit 50 Jahren die Avantgarde im Konservativen

Doch ist die Wachau in einem wesentlichen Punkt unterschiedlich zu anderen konservativen Weinregionen (Burgund, Bordelais, etc.) der Weinwelt: In der Wachau gibt es seit den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts jede Generationen auch eine Avantgarde, die tatsächlich zuvorderst Neuerungen einleitet. So waren es die Altsenioren Jamek, Prager, Pichler und Hirtzberger, heute alle verstorben, die sich vor 55 Jahren gegen das Wachau-Wasserkraftwerk stemmten und ihre Region vor der energiepolitischen Zerstörung bewahrten.

Aus diesem erfolgreichen Kampf gegen Landes- und Bundespolitik (der erste erfolgreiche grünmotivierte Aufstand in Europa überhaupt) entstand eine Winzergemeinschaft, die später die Vinea-Wachau ins Leben rief, jenen Verband, der die alten Kategorien abschaffte und durch Steinfeder, Federspiel und Smaragd ersetzte. Diese Reform entstand von der Basis weg (ähnlich wie die Ersten Lagen der Traditionsweingüter) und wurden nicht von einem Dachverband oktroyiert wie die DAC-Richtlinien von vor 15 Jahren.

Noch bevor Naturweine und Cool-Climate-Weine überhaupt im Gespräch waren, waren es Wachauer Winzer wie Peter Veyder-Malberg (ein Zugereister), Martin Muthenthaler oder, etwas früher schon, Rudi Pichler, die die fetten, alkoholischen und botrytisreichen Smaragde dramatisch verschlankten – nicht ohne Widerspruch jener regionalen Granden, die Jahre davor die Vinea-Wachau ins Leben gerufen haben. Die Wachau ist also tatsächlich das avantgardistischste aller konservativen Weinbaugebiete. Und dieser Widerspruch ist mit Österreich zu erklären, mit der Mentalität des Landes, alles einfassen zu wollen. Und zu können.

Das Gute steht manchmal auch zwischen den Stühlen

Martin Mittelbachs Weingut Tegernseerhof stand da lange unbemerkt zwischen den Fronten und Stühlen. Das war gut so, denn Mittelbach, der nach seiner Ausbildung schon früh die Agenden im Weingut übernahm, konnte so unbeeinflusst und vom Druck der Moden ungestört zu einem eigenen Weinstil, einer eigenen Handschrift finden, die ziemlich sicher den Weinen Malbergs, Muthethalers oder Rudi Pichlers zugeordnet werden kann – also der önologischen Moderne. Der Unterschied: Mittelbach macht da nicht viel Wind rum, denn er zählt eher zu den Schweigern der Branche: einer der will und tut und dem das Reden schwingen eher unangenehm ist. „Kostet die Weine, das muss reichen“, denkt Mittelbach. Und das reicht auch.

Und weil Mittelbach jung und ein bisschen Hipster ist, fand er ganz von selbst zu einer jungen Klientel. Und diese zu ihm. Trotz aller Moderne, trotz der Verpflichtung, die eigene Handschrift in dieser zu erden, sind Mittelbachs Federspiel- Smaragd- und Ausleseweine auch zutiefst konservative Weine, die mit ihrer Finesse, Eleganz und auch Leichtigkeit ein Gegengewicht zu den ebenfalls wertvollen cremigen und druckvolleren Weinen der Region bieten. Mittelbachs Weine sind die Fortsetzung der önologischen Revolution durch traditionelle Herangehensweise. Und auch das ist nur in Österreich, in der Wachau so möglich.

Hier geht es zu den Weinen vom Weingut Tegernseerhof

Woher er kommt, was er will und welche Weine er macht, erzählt KATE & KON-Winzer Martin Mittelbach im nachfolgenden Film.

 

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