Der größtmöglich Andere - Hartmut Aubell

Hartmut Aubell erwartet seine Besucher im Hof seines vor zehn Jahren neu errichteten Familienweinguts. Im schlichten, kleinen Verkostungsraum, der Werksküche, liegen Kekse am Tisch - und kein Weißbrot, wie bei Weinproben sonst üblich. Aubell räumt die Kekse weg und stellt anstelle vier Flaschen seiner aktuellen Jahrgänge hin. Weißbrot wird es auch später keines geben, denn es geht Aubell nur um seine Weine selbst; um das, was er für „richtige Weine“ hält. Seine Sicht „richtiger Weine“ teilt nicht jeder. Doch Aubell ist nicht der Typ, der über sein Weinmachen diskutiert; er keltert, wie es ihm sein Selbst vorschreibt. Präzise. Und immer am Anschlag zum Extremen.

Die Weine des Rebenhof Aubell polarisieren. Sie sind in der Region Südsteiermark, von der die meisten Konsumenten spritzige, leichte Weißweine erwarten, die maximale Ausnahme. Das soll nicht nicht heißen, dass Aubells Kreationen der Kelterkunst mitnichten auch leicht und spritzig rüberkommen. Alleine: Er legt es nicht drauf an. Hartmut Aubell hat die Natur als Regler des Wesentlichen akzeptiert. Ist er deswegen unter die neuen Naturweinwinzer einzuordnen? Nein! Ist Aubell überhaupt einzuordnen? Nein!

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Mehr als ein duales Weltbild

Hartmut Aubell lebt ein eigenes, mehr als duales Weltbild. Als Mensch beschreibt er sich „konservativ“. Als Gesprächspartner formuliert der Mittdreißiger aber zur Gänze liberale Positionen. Aubell ist der modernen Naturweinszene suspekt, die von Influencern und linksliberalen Hipstern geprägt ist. Suspekt, weil er seit einigen Jahren schon ausschließlich in traditioneller, regionaler Kleidung auftritt. Suspekt, weil er keinen Applaus der Naturwein-Gemeinde sucht; weil er es hasst, auf Events vorgezeigt zu werden, obwohl seine Weine jegliches Vorzeigen verdienen. Suspekt, weil er Berufssoldat war. Weil er gerne Berufssoldat war. Und weil er darüber spricht.

Hartmut Aubell ist im besten Sinne naiv. Er will naiv sein. Er will, dass man seine Zurückgezogenheit, seine Fixiertheit auf das Tun, das Einfache und dennoch unendlich Komplizierte seines Tuns akzeptiert. Wahrscheinlich würde ihm mehr Applaus guttun. Doch der Applaus zwänge ihm wieder zu Kompromissen. Deswegen bleibt er lieber auf seinem Hügel, in seinen Weinbergen, allesamt erstklassige Lagen, um die ihn andere beneiden. Aubell ist es egal, der „Narr auf dem Hügel“ zu sein.

Disziplin und Handschrift

Als ehemaliger Soldat ist Aubell der Begriff Disziplin gut bekannt. Übte er früher seinen Vorgesetzten gegenüber Disziplin, so ist er heute der Natur gegenüber diszipliniert. Das Resultat sind Weine, die mehr ideologische Keltergenauigkeit beweisen als die meisten anderen Weine der Südsteiermark. Aubell weigert sich herumzufrimmeln, wo Einflussnahme möglich und auch ethisch vertretbar wäre. Und dennoch lässt Aubell nicht alles zu, was ihm Rebsorten und Wetter vorschreiben. Denn im Promillebereich des Schaffens, den wesentlichen Bereich eines jeden guten Winzers, will Aubell der Natur auch das vorschreiben, was jeder bewusste Winzer vorschreiben will: eine singuläre, erkennbare und verfolgbare Handschrift.

Hartmut Aubell öffnet zu Beginn gleich eine seiner gewagten Kreationen, seinen „Burgunder“, der mehrheitlich aus Grauburgunder gekeltert wurde. Der Wein trägt keinen Jahrgang, denn Aubell hat für ihn zwei Jahrgänge cuvéetiert, was diesem Wein - laut Weingesetz - in die einfachste Kategorie Weine reiht.

Einfach ist diese Burgunder aber mitnichten: er trägt leichte bis mittlere oxidative Töne, der Saft stand wohl auch etwas länger auf der Maische. Im Glas ein eher dunkler Weißwein mit gering olivfarbener Koloratur, in der Nase viel Wiese, Heu, Orangenzesten und auch Salbei. Im Mund dann zupackend: Creme, Finesse, Südfrüchte, etwas Kümmel sogar und Heublumen. Dieser Wein, der mit zwölf Euro mehr als ein Schnäppchen darstellt, ist Beispiel dafür, dass avantgardistisches Weinmachen mit populistischen Weinschmecken einhergehen kann; sogar einhergehen muss, wenn man bereit ist, sich auf die Reise in die Welt des Außergewöhnlichen zu begeben. Und mehr noch: Hat man erst davon gekostet, erkennt man auch den Suchtfaktor, den diese Art Weine auslösen können - eine Sucht nach dem Andersartigen in dieser oft so nivellierten Weinwelt.

Wein: Ein lebendig Ding

Aubell macht schnell. Und schnell freut man sich über die Muskateller aus 2015 (€ 12,00) und 2017 (€ 13,00), welche Aubell gerade noch ein Bisschen der in der Rebsorte veranlagten Primärfrucht lässt. Der 2017er hat die Kraft, einige Jahre im Keller zu warten; der 2015 ist präsenter, schneller im Glas zur Gänze vorhanden und macht, als dritter Wein dieses eiligen Überblicks, die Handschrift als Fundament des aubell'schen Kelterns fest. Jahrgang, Sorte und Boden unterliegen, trotz starker Präsenz, dem individuellen, eigenständigen und surpremen Machen. Trinkt man Aubell, trinkt man tatsächlich die Persönlichkeit des Winzers, eine Persönlichkeit, der das Fügen fremd ist.

Zuletzt der Sauvignon aus 2014 (€ 14,50), der wohl schwierigste Wein der Serie, weil er nur zur Gänze zu verstehen ist, wenn man ihm die Zeit erlaubt, sein Gleichgewicht zu finden. 2014 war in der Südsteiermark ein so genanntes „durchwachsenes“ Jahr, das bei anderen Weingütern selten zum Optimum reichte. Hartmut Aubell ließ der jahrgangsgemäß hohen Säure den Vortritt und kreierte einen schlanken, geschliffenen und in Exzellenz einsilbigen Wein, der Minuten im Glas braucht, um sich vom Prozess der Ausschank zu „erholen“ um danach mehr den Mund als den Gaumen einzunehmen. Dieser Sauvignon, ein großartiger „Fischwein“, zeigt an, dass Wein, auch wenn er längst in der Flasche zur Ruhe kam, ein lebendig Ding sein will. Wenn man ihn lässt.

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