76 Quadratmeter (das „Kwarantäne“-Tagebuch)

Der Autor und Weinkritiker Manfred Klimek lebt in Quarantäne. Wir von KATE&KON schicken ihm jede Woche ein paar Weine zu, damit er sich die soziale Isolation schöntrinken kann. Hier seine Aufzeichnungen

Côte du Home

Château Grillet. Kann sein, dass Sie noch nie von gehört haben. Das wäre auch kein Wunder, denn die Weine von Grillet sind extrem selten, das Weingut hält lediglich rund drei Hektar Weinberge in Besitz und veröffentlicht jedes Jahr, je nach Möglichkeit des Jahrgangs, 12-15000 Flaschen. Also so gut wie nichts. Und von diesem Nichts haben wir von KATE&KON ein paar Kisten gesichert. Exklusiv für...

Tag 11: Zurück an die Gironde

Die Guinaudeaus. Von jenen war schon vor elf Tagen die Rede, als ich meinen ersten Quarantäne-Wein, den Sauvignon Champs-Libres, hier einstellte. Die Familie Guinaudeau hat zwei Weingüter. Erstens: das von den Kindern verwaltete Exzellenz-Weingut „Château Lafleur“, das in den letzten Jahren besser bewertet wurde als das Nachbargut Château Petrus. Zweitens: das von den Eltern, die zuvor Lafleur...

Tag 7: Sauber Sauvignon

Der siebente Tag mit Ausgangsbeschränkung. Und tatsächlich kontrolliert die Polizei auf den Straßen Wiens. Der Staat ist präsenter als je in unser aller Geschichte. Wenn man so zu Hause sitzt, hat man auch mehr Zeit nachzudenken. Ist CoVid-19 nun der große „Game-Changer“? Bei gewissen Dingen sicher.

Tag 4: Wohnzimmer-Weinlust

Heute habe ich „Balkonien“ eröffnet, das einzige Land – außer „Supermartkien“ – das ich derzeit besuchen darf. Balkonien hat zwar nur ca. 12 Quadratmeter aber den ungeheuren Vorteil nicht verbaut und nach Süden ausgerichtet zu sein. Das heißt: Ich kriege den ganzen Tag Sonne satt. Und es hat jetzt schon 17 Grad. Leider kommt am Wochenende der Winter wieder. Dann ist Schluss mit dem wenigen Lustig.

Tag 2: Seelisch rund mit Burgund

Keine sozialen Kontakte. Und das schon seit mehr als 72 Stunden. Nur einmal raus, den Kühlschrank auffüllen. Und sonst? Netflix und Amazon glotzen, vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer gehen, dort aus dem Fester starren und dann wieder zurück ins Wohnzimmer und auch dort aus dem Fenster starren. Da wird 'ne neue Flasche Wein zum Tagesereignis, dem man sich besonders widmen kann.

Tag 1: Das „freie Feld“

Der Autor und Weinkritiker Manfred Klimek lebt in Wien in Quarantäne. Wir von KATE&KON schicken ihm jede Woche ein paar Weine zu, damit er sich die soziale Isolation schöntrinken kann. Hier seine Aufzeichnungen

Martin mittelbar

Martin Mittelbachs Weingut Tegernseerhof stand da lange unbemerkt zwischen den Fronten und Stühlen. Das war gut so, denn Mittelbach, der nach seiner Ausbildung schon früh die Agenden im Weingut übernahm, konnte so unbeeinflusst und vom Druck der Moden ungestört zu einem eigenen Weinstil.

Diel am Ziel

Die Nahe. Ein westdeutsches Flüsschen, das in den Rhein mündet und 50 Jahre lang die Grenze zwischen Preußen und Bayern war. Die Nahe: Das ist ein Weinbaugebiet, das für schon extrem „mineralische“ Weine bekannt ist.

Ay-Ay, Ayala!

Beginnen wir mit einem Ratschlag: Den derzeit angeschlagenen Volksparteien sei ein Besuch im Champagnerhaus Ayala angeraten. Nicht um sich zu besaufen, was aufgrund der Lage wahrscheinlich das Beste wäre, sondern um Erneuerung zu lernen. Und wie Erneuerung geht.

Hier kommt Kurt

Der Winzer Kurt Angerer ist ein bekannter Winzer. Fragt man die Leut' dann kennen die Leut' den Angerer. „Das ist der aus der Wachau“. Wenn man jetzt freundlich bleibt (und das soll man immer bleiben), sagt man: „Knapp daneben“ oder „fast“.

Kalifornien, total anders: „Eisele Vineyard“

Das Weingut heißt nach dem Weinberg. Und der Weinberg heißt „Eisele“, ist 125 Jahre alt und liegt nicht – wie der Name vermuten lässt – an der Mosel oder im Rheingau, sondern im Nordosten des kalifornischen Anbaugebiets Napa-Valley. Jetzt würden nicht wenige Leute, die bis hierher mitgelesen haben, am liebsten gleich wieder weiterklicken. Kalifornien? Ist das nicht abgesagt? Uns egal. Wir...

Rote Mosel

Daniel Twardowski zeigt auf ein Gebäude auf einer Straße. „Schön ist es nicht“, sagt er. Da kann man beipflichten, ohne ihn zu beleidigen. Schön ist es nicht, das Gebäude. Ein bisschen Farbe vielleicht? Aber zur Teil- oder Totalsanierung fehlt Twardowski freilich die Zeit. Denn er hat sich etwas „angetan“.

Steiermark: Parker lässt Punkte regnen

Robert Parker: Der war ein streitbarer, linker Konsumentenanwalt, der 1978 begann Weine zu testen, weil er die bis dahin weltgültigen Bewertungen alter, britischer Weinpäpste falsch und irreführend fand.

Götter in Weiß

Der gute Etienne Sauzet ist schon lange tot. Er starb 1975, als in Frankreich der erste Schnellzug TGV fuhr, die Ölkrise gerade zu Ende ging und Valerie Giscard d'Estaing sich vorbereitete das Präsidentenamt von General Pompidou zu übernehmen. Giscard d'Estaing lebt übrigens immer noch.
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